10 Dinge, die ich über die Sprachentwicklung von Kleinkindern gelernt habe

Das Thema frühkindliche Sprachentwicklung hat mich in den letzten drei Wochen sehr beschäftigt. Alles fing damit an, dass mich die Erzieherin in der Krippe fragte, ob Anton (18 Monate) denn bereits zu Hause sprechen würde. Als ich ihre Frage verneinte, gab sie mir daraufhin einen Kommentar, der mich echt verunsichert hat. Was ich seitdem über das Sprechen der ersten Wörter gelernt habe, erfahrt ihr im Folgenden...

Erzieherin: "Spricht Anton schon etwas zu Hause?"

Ich: "Nein."

Erzieherin: "Na ja, manchmal ist es ja so, da sprechen sie gar nichts in der Krippe und die Eltern berichten, das die Kleinen zu Hause quasseln wie ein Wasserfall."

Ich: "Nein, also Anton spricht noch nichts. Nicht mal ein klares Mama oder Papa."

Erzieherin: "Na dann wird es aber Zeit, er ist schon anderthalb!"

Ich: "Er wächst ja zweisprachig auf, da kann es etwas länger dauern. Das wird schon!"

 

Dieser eine Satz von ihr "es wird Zeit..." hat mich gleichzeitig aufgeregt aber auch verunsichert. Er beschäftigte mich tagelang.

 

Auf der einen Seite wusste ich, dass ihr Kommentar Quatsch ist. Schließlich wird mein Sohn anfangen Wörter klar zu formulieren, wenn er soweit ist.

 

Auf der anderen Seite machte ich mir aber auch Sorgen. Irgendwo stand geschrieben, dass 1,5 jährige Kinder 2-10 Wörter sprechen sollten. Warum können bereits all die anderen Kinder meiner Bekannte und Freunde in dem Alter bzw. früher bereits einzelne Wörter widergeben?

Lasst uns nicht immer vergleichen!

 

Ich machte diesen Fehler: ich fing an, meinen Sohn mit anderen Kleinkindern zu vergleichen. Andere Kinder sagen Mama, Papa, Teddy, Ball, "moin" wie die Ostfriesen ... Und Anton?

 

Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell in verschiedenen Bereichen. Das eine Kind kann bereits mehrere Wörter sprechen, aber noch nicht laufen. Dafür klettert ein anderes gleichaltriges Kind bereits die Leiter auf dem Spielplatz hoch, spricht aber noch kein Wort. Alles ist möglich!

 

Wir sollten unsere Kinder in dem unterstützen, das sie gerade besonders gerne machen und spannend finden. Dadurch lernen sie am besten! Haben sie genug gelernt in ihrem Lieblings-Bereich (z.B. in der Motorik), dann widmen sie sich von selbst anderen Dingen (z.B. der Sprache) zu und lernen weiter.

Durch Lesen und Gespräche mit anderen Eltern, Logopäden und unserer Kinderärztin, habe ich letztlich einiges über die Sprachentwicklung von Kleinkindern gelernt. Folgende Punkte kann ich dabei für euch zusammen fassen:

 

1. Die ersten Wörter sprechen Kleinkinder im ganz unterschiedlichen Alter - von 10 bis 30 Monaten ist alles dabei.

 

2. Jungen brauchen meist länger mit dem Sprechen als Mädchen. Sie reden auch oft allgemein weniger.

 

3. Zwei- oder mehrsprachige Erziehung kann die Sprachentwicklung etwas verzögern. Dabei sind circa 3-6 Monate Verzögerung aufgrund von Zweisprachigkeit in der Familie vollkommen im Rahmen.

 

4. Manchmal kann es sein, dass sich als Folge von Erkältungen leicht Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt und so das Hörvermögen vermindert wird. Darausfolgend hinkt die Sprachentwicklung hinterher. Falls ihr unsicher seid, ob euer Kind richtig hören kann, ist es ratsam, den Kinderarzt mal ein Auge aufs Ohr werfen zu lassen.

 

5. Ein fachspezifischer Arzt dafür ist der Päd-Audiologe. In der Pädaudiologie wird nicht nur geprüft, ob die Ohren und das Gehör richtig funktionieren, sondern auch, ob das Gehirn das Gehörte weiterleitet und verarbeitet und ob die Reaktion mit Sprache oder Körpersprache stattfinden kann. Eine Untersuchung ist wohl auch schon mit 18 Monaten möglich.

 

6. Laut Logopäden sollten Kinder mit 24 Monaten um die 50 Wörter sprechen können. Meine Kinderärztin sagte, dass dazu aber auch (Tier-)Laute gehören. Logopäden meinen, man könne früh viel tun und die Sprachentwicklung von Kindern fördern. Unsere Kinderärztin hingegen ist der Meinung, dass es kaum etwas bringt, ein gesundes Kind in diesem Bereich zu fördern. Es würde von sich aus lernen, wenn es bereit dafür ist.

 

7. Eltern von Kindern mit verzögerter Sprachentwicklung können selbst ein Training (z.B. Heidelberger Elterntraining) absolvieren und lernen, wie sie ihr 2-3 jähriges Kind sprachförderlich zur Seite stehen können.

 

8. Loben wir unsere Kinder für die ersten gesprochenen Wörter, so motivieren wir sie, mehr zu sprechen.

 

9. Allgemein hilft es natürlich, viel mit seinem Kind zu reden, ihm Dinge zu zeigen und zu benennen. Gut geeignet hierfür sind Papp-Bücher, z.B. über den Alltag des Kindes oder über Tiere auf dem Bauernhof. Unsere Kinderärztin gab uns noch den Tipp, Tierlaute sehr theatralisch zu imitieren ("Muuuh", "Kikerikiiii", ein tiefes "Wau-Wau" usw.).

 

10. Letztendlich ist es wichtig, sich nicht verrückt machen zu lassen und Druck von außen nicht zu zulassen. Ich vertraue meinem Sohn und ihr doch euren Kindern auch, oder? Lasst uns ihre Stärken stärken statt immer nur Schwächen zu identifizieren. Anton hat mit seiner Grobmotorik gerade so viel am Hut - klettert ganz toll, läuft viel umher, tanzt ausgiebig, sortiert, versteckt und puzzelt wie verrück - da bleibt einfach keine Zeit auch noch sprechen zu lernen! ;-)

Ich bin froh, dass ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Wir als Eltern können zumindest das Hörvermögen abchecken lassen und falls es notwendig ist, früh mit der Förderung der frühkindlichen Sprachentwicklung beginnen. Wichtig finde ich allerdings dabei, dem Kind Vertrauen mitzugeben und es in seinem Sein und Tun zu bestärken. Das Kind sollte nicht das Gefühl haben, etwas nicht zu können und dafür kritisiert zu werden.

Anton hat übrigens vor zwei Tagen angefangen seine ersten Wörter zu sprechen: "Auto"und "heiß"! Einfach so, ohne vorher zu üben! Ich freue mich sehr darüber, ist es doch so süß, wenn die Kleinen anfangen sich auszudrücken! Ich bin gespannt, welche neuen Wörter als nächstes hinzu kommen...

Viele Grüße,
Anja


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Kommentare: 1
  • #1

    Nina (Freitag, 05 Januar 2018 21:38)

    Danke für den tolle Bericht. Bei unseren beiden Jungs 4 und knapp 2 ist es so extrem unteeschiedlich was die Sprachentwicklung angeht. Der Große konnte mit 18 Monaten schon ganze Sätze bilden, während unser Kleiner bis jetzt nur wenige Wörter spricht, diese auch oft recht unverständlich:-D...habe darüber auch in meinem Blog geschrieben:

    https://www.mamikiste.de/2017/12/30/tpps-zur-sprachentwicklung-einfach-aber-effektiv/

    Die Verwandtschaft löchert uns oft warum das denn so sei, aber mein Mann und ich bleiben recht locker. Wir unterstützen ihn, drängen ihn aber nicht! Wir haben uns informiert und auch mit der Kinderärztin gesprochen. Alles braucht seine Zeit, bei dem einen länger als bei dem anderen. Es macht immer wieder Spaß wenn dann doch das richtige Wort mal rausplumst:-D...LG lass ich da, Nina