An jeder Ecke eine Erinnerung - kurzes Résumé vom letzten Wochenende in Bonn

Als ich ungefähr 12 oder 13 Jahre alt war, ist meine Mutter mit uns nach Weimar gefahren. Das war vor vielen Jahren ihr Studienort gewesen. Ich weiß heute noch: es war ein verregneter Tag, die Stadt schien trist und meinem Bruder und mir war so unglaublich langweilig. Für meine Mutter hingegen war es ein schöner Tag. Sie freute sich, noch einmal ihre Hochschule und ihr Wohnheim besucht zu haben. Diese Erinnerung an meine Kindheit kam heute in mir auf rückblickend auf unser Wochenende in Bonn.

Erinnerungen

Unser letztes Wochenende in Bonn hingegen war alles andere als trist. Die Sonne schien, die Luft war einige Grad wärmer als in Ostfriesland und der Rhein glänzte. Wir waren zu Besuch bei Freunden. Anton genoss es mit den Kindern meiner Freunde zu spielen und es freute mich so sehr zu sehen, wie wohl er sich überall fühlte. Ich hingegen, schwelgte in Erinnerungen.

Da war zunächst mein Wohnheim direkt an der Allee, dass ich so liebte. Da war der Fußweg vom Wohnheim am Schloss vorbei zur Bibliothek, den ich 4 Monate lang ging, um meine Abschlussarbeit zu schreiben. Da war die Innenstadt und der Markt, auf dem ich unzählige Male einkaufen war. "Meine" Marktfrau war sogar immer noch da. Witzig, wie ihre Stimme ("Gurken nur 1 Euro" - jetzt voller Pathos ausrufend vorstellen!) noch in meinem Kopf war. Und natürlich: der wunderschöne Rhein! Die Brücken, über die ich an guten Tagen eine große Runde laufen war. Die Promenade, an der ich unzählige Male spazieren gegangen bin. Die Wiese, auf der ich mit meiner Mannschaft Ultimate Frisbee gespielt habe. Alles war noch da. Nur ich bin keine Bewohnerin dieser Stadt mehr, sondern lediglich Betrachter von außen. Ein komisches Gefühl.

Dankbarkeit

Ein Gefühl war immens vordergründig an diesem Wochenende. Dankbarkeit. Wenn ich an meine Jahre in Bonn denke, spüre ich das erste Mal extrem dieses Dankbarkeitsgefühl. Ich bin so dankbar für die tollen Jahre, die ich in dieser Stadt erleben durfte. Großartige Menschen habe ich getroffen und die Wichtigsten, sind immer noch präsent in meinem Leben. Einige speziellen Momente, die ich dort erlebt habe, werde ich nie vergessen, genauso wenig wie die alltäglichen Routen durch die Stadt zur Uni oder zur Arbeit. So erinnere ich mich an den Tag, an dem ich meine Bachelorarbeit fertig geschrieben habe und ich all meine frei gewordene Energie beim Laufen am Rhein los ließ, bevor es am Abend zum Lieblingskommilitonen ging, um die Arbeit auf CD zu brennen. Hunderte solcher großen und kleinen Erinnerungen kamen in mir auf am letzten Wochenende.

Familienleben

In letzter Zeit denke ich oft an die Zukunft. Was wohl noch alles kommen wird? Ich möchte meinem Kind schöne Erinnerungen schaffen, gemeinsam im Moment leben und jeden Tag gemeinsam genießen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Wie oft verlieren wir uns im Alltag, in unseren kleinen Sorgen und Gedanken. Das Wochenende in Bonn hat mir gezeigt, dass ich dankbar bin, für alles was war und dankbar, für alles was ist und sein wird. Ich hoffe, ich kann dieses Gefühl noch einige Zeit mit mir nehmen.

 

Anja

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Kommentare: 1
  • #1

    Maika (Donnerstag, 16 März 2017 20:23)

    ...und rückblickend begreifen wir, wer wir jetzt sind. Die Pappelallee und der Rhein waren dein, ganz allein. Sending much Love!