Ein Abend beim Erste Hilfe Kurs

Nach einem Jahr verbringe ich das erste Mal am Abend 2 Stunden weg von meinem Sohn. Allein. Weg von zu Hause. Nein, ich gehe nicht raus mit Freunden essen und ein Weinchen trinken. Schade - eigentlich. Ich gehe zu einem Vortrag über Erste Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern. Falls du schwanger bist oder bereits ein Baby hast, und noch keinen Erste Hilfe Kurs besucht haben solltest - hier mein Appell an dich: tue es auf jeden Fall!

Der Kurs war eher ein Vortrag, gehalten von einem Doktor der Kinderklinik. Ich dachte, ich wüsste worauf ich zu Hause achten muss. Was ja irgendwie auch stimmt. Allerdings haben mich die persönlichen Erfahrungen des Kinderartzes noch einmal besonders sensibel gemacht. Ein paar Punkte möchte ich gerne mit euch teilen.

1) Verschlucken

Der Arzt meinte, dass die meisten Dinge, die ein Kind verschluckt, genau so wieder raus kommen. Kein Grund zur Sorge. Nur zwei Dinge sind gefährlich: Knopfbatterien (diese kleinen runden für Armbanduhren) und Magnete. In diesem Fall: sofort ab zum Kinderarzt bzw. in die Kinderklinik.

2) Vergiftung

Eigentlich klar, aber doch immer wieder wichtig zu erwähnen: bitte, bitte stellt sämtliche Spülmittel, Waschmittel, Putzzeug etc. weg. Am besten in ein oberes Regal, an das die Kinder auf keinen Fall herankommen können. Medikamente am besten in einen verschließbaren Schrank tun, falls das möglich ist. Auch ich hatte noch Putzzeug rum stehen. Ich dachte immer, Anton wäre noch zu klein, um da Quatsch zu machen. Und ich passe ja auf. Allerdings weiß man nie genau, wann die Kleinen was können und in welchem Moment, wir einmal wegschauen. Ich kam an dem Abend nach Hause und habe direkt noch ALLES, was auch nur ansatzweise gefährlich für ihn sein könnte, weggestellt.

 

Was tun, falls das Kind doch etwas in den Mund genommen hat? Der Kinderarzt meinte, dass die Kinder das Zeug meist nicht schlucken, weil es eklig ist. Wichtig ist, den Mund auszuwaschen. Danach soll man die Kinder Wasser trinken lassen, das verdünnt das Toxische im Magen, falls doch was runtergelaufen ist. Und dann ab ins Krankenhaus.

3) Verbrennungen

Ostfriesen trinken gerne Tee. Daher gäbe es hier auch besonders viele Verbrennungen bei Kleinkindern. Babyhaut ist besonders dünn und anfällig für heißes Wasser. Schon 30 Sekunden Hautkontakt mit 54 Grad heißem Wasser reichen bei einem Kleinkind aus, um Verbrennungen hervorzurufen.

 

Was tun? Kühlen, kühlen, kühlen! Unter fließend laukühlen (nicht zu kalt) Wasser halten und das lange. Die Kleidung, falls betroffen, wegschneiden. Nach dem Kühlen steril abdecken, in die Aludecke aus dem Auto einpacken und ins Krankenhaus fahren!

 

4) Atemnot

Falls das Kind einen starken bellenden Husten hat, kann es auch mal zu Atemnot kommen. Anweisung vom Arzt: Fenster auf, Mama mit Kind in eine dicke Decke einpacken und ans offene Fenster setzen, um die feucht-kühle Luft einzuatmen. Dem Kind ruhig zu reden und einfach für es da sein. Den meisten Kindern ist damit schon geholfen.

5) Fieberkrampf

Soll nur bei 1 von 1000 Kindern auftreten. Ich dachte, es wäre häufiger. Vielleicht auch, weil es erst bei uns ein Thema war. Was wäre wenn? Der Kinderarzt beruhigte uns, ein Fieberkrampf sieht furchtbar aus, aber ist ungefährlich und hat keine Folgenschäden. Auch lässt er sich nicht verhindern, da er meist beim ersten rasanten Fieberanstieg daher kommt. In diesem Fall, sollten wir das Kind sichern, in Seitenlage bringen, das Fieber senken und beim ersten Fieberkrampf einen Arzt rufen.

Dann haben wir noch das Thema Reanimation besprochen. Da habe ich leider nur den Anfang mitbekommen, da es schon ziemlich spät war und ich nach Hause musste, um den übermüdeten Anton ins Bett zu verfrachten. Aber das lernt ihr am besten selbst in einem Erste Hilfe Kurs in eurer Nähe!

 

Leicht gesagt ist es immer: in jedem Falle eines Vorfalls bitte ruhig bleiben, einen kühlen Kopf bewahren, dem Kind Liebe und Zuwendung schenken und wissen, was zu tun ist. Aber natürlich hoffe ich, dass wir all diesen Wissen nicht praktisch anwenden müssen!

 

Safety first!

Anja

p.s. Alle Fotos auf dieser Seite habe ich aus diesem kleinen Büchlein (AkaMedica: Der Notfallbegleiter Erste Hilfe im Kindernotfall). Das war Teil des Begrüßungspakets zur Geburt unseres Sohnes von der Stadt. Es stehen noch viele andere Notfälle drin, ist sicherlich sehr hilfreich.

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